Begleitpublikationen zur Ausstellung

Emil Dill - Der Künstler als Chronist und Illustrator

  

Emil Dill (1861–1938) ist ein bedeutender Protagonist der Schweizer Moderne der ersten Stunde. Der vielseitig begabte und kulturell interessierte Künstler befasste sich wie andere Künstler seiner Zeit intensiv mit den gesellschaftlichen und geopolitischen Ereignissen auf regionaler, nationaler wie internationaler Ebene und kommentierte diese vorzugsweise in seinem grafischen Werk.

 

In seinen Arbeiten mit dezidiert historisch-dokumentarischem Bezug zeigt er sich als tiefgründiger Beobachter und feinfühliger Erzähler. Insbesondere seine Illustrationen für das Satiremagazin Der Nebelspalter bestechen durch ihren Aktualitätsbezug. Nicht nur die Themenwahl, sondern ebenso die stilistische Ausführung dieser Arbeiten erweisen sich auch im Rückblick als zeitgemäss und relevant. Viele von Dills grafischen Werken und Illustrationen sind mehrschichtig aufgebaut und beinhalten polivalente Aussagen. Es sind Zeugnisse eines rigoros geschulten, scharfsinnigen Intellekts.

 

Die gesellschaftskritische Karikatur und ihr Konterpart, die sozialpolitische Satire, spielen eine prominente Rolle in der Entwicklung der modernen Malerei um 1900. Jedoch erst in neuerer Zeit wurde ihnen die gebührende Aufmerksamkeit der Kunstwelt zuteil. Der zweite Band zu Emil Dills Schaffen gewährt dem Leser einen vertieften Einblick in die anspruchsvollen Inhalte der Werke und kommentiert sie im sozialen und geopolitischen Kontext.

 


Buchvernissage

Dienstag, 25. April 2017, 19.30 Uhr

Bibliothek Zug, St.-Oswalds-Gasse 21, 6300 Zug

 

Podiumsgespräch

Nicole Pfister FetzPräsidentin der Gesellschaft für Schweiz. Kunstgeschichte
Georg M. Hilbi, Autor, Kunst- und Kulturhistoriker


 

Chronos Verlag, ISBN 978-3-0340-1351-2

 

 

 

 



Emil Dill (1861-1938)

 

Emil Dill verbrachte über die Hälfte seines aktiven künstlerischen Lebens in Zug. Von 1895 bis 1935 war er Professor für Zeichnen, Kalligrafie und Mathematik an der Kantonsschule in Zug. In dieser Zeit entstanden u.a. viele hervorragende Ansichten der Zentralschweizer Regionen, die nicht nur aufgrund ihrer zeitlichen Wiedergabe von kunsthistorischer Bedeutung sind, sondern auch stilistisch durch ihre impressionistisch-reduktive Malweise einen besonderen Stellenwert im Kontext der zeitgenössischen Kunst beanspruchen. Die Aufarbeitung von Emil Dills Werk beschränkte sich in der Vergangenheit auf einige wenige Aufsätze und Werkkommentare, die generell einen partiellen Einblick in sein Gesamtwerk gewährten und schon Jahrzehnte zurückliegen. Mit dieser zweisprachigen Publikation (dt/en) wird nun dem innovativen Künstler erstmals eine umfassende Monografie gewidmet, die sein Œuvre systematisch analysiert und seine Genese im zeitgenössischen Kontext kommentiert.

 

Dill studierte in den angesagten europäischen Kunstzentren der damaligen Zeit – Paris, München, Karlsruhe und Stuttgart. Während seinen extensiven Studienaufenthalten durchlief er eine rigorose Ausbildung, welche dezidiert auch kunsttheoretische Bereiche beinhaltete. In seiner Abhandlung Über die Entwicklung der bildenden Künste, insbesondere derjenigen der Gegenwart, die 1903-1906 publiziert wurde, verarbeitete er seine im Studium und in der Praxis gewonnenen Erkenntnisse. Nach gemeinsamen Studien in den französischen und den deutschen Kunstzentren unterhielt Emil Dill zeitlebens engen Kontakt mit seinen prominenten Weggefährten Cuno Amiet (1868–1961), Giovanni Giacometti (1868–1933), Hans Emmenegger (1866–1940) und Sigismund Righini (1870-1937). Der freundschaftliche Austausch der Künstler untereinander war ein integraler Bestandteil und relevanter Katalysator zur Genese der Schweizer Moderne. Dills konsequentes Schaffen basiert auf einem innovativen Assimilationsprozess, der als Synthese zwischen den Errungenschaften der alten Meister und den neuartigen, modernen Strömungen zu verstehen ist. In seinen reduktiven Werken, in denen er bewusst die Vereinfachung der jeweiligen Motive forcierte, zeigt er sich als Wegbereiter der Abstrakten Malerei. Aussagekräftig sind auch seine Illustrationen für das Satiremagazin Der Nebelspalter, die er von 1890 an während mehr als einer Dekade anfertigte. In ihnen bezog Dill Stellung zum sozial- und geopolitischen Geschehen auf nationaler wie auch internationaler Ebene.

 

Eingebunden in ein weitreichendes Beziehungsnetz experimentierte der vielseitig versierte Künstler mit neuen Techniken und Bildfindungen – als passionierter Gestalter faszinierte ihn insbesondere auch das fernöstliche Kunstgewerbe. Dill inkorporierte in seinen Arbeiten stilistische und motivische Elemente vor allem der japanischen Kunst. Dill war tief beeindruckt von der japanischen Kultur. Als einer, der seine künstlerischen Wurzeln selbst im Kunstgewerbe hatte, konstatierte er eloquent: «[…] dem europäischen Geschmack [entsprechen] von jeher symmetrische Anordnungen, und der jüngsten Gegenwart war es vorbehalten, – denselben in dieser Hinsicht etwas zu ändern und Geschmack zu finden an den, einem anderen Prinzip unterstellten, herrlichen Erzeugnissen japanischer Dekorations-Malerei, Seidenstickerei, Metallarbeiten u. mit ihren ganz willkürlich und zufällig erscheinenden, aber feinstes Gefühl für geschmackvolle Dekoration beweisenden Raumausfüllungen.»

 Dill war sich sehr bewusst über den Einfluss, welche die fernöstliche Kultur auf das Kunstschaffen in Europa hatte – und mitunter auch auf sein Kunstschaffen. So beschrieb er deren Einfluss mit den bezeichnenden Worten: «Japan, das […] mit seinen unübertrefflichen Arbeiten der dekorativen Kunst hervorragt und selbst die europäische befruchtet.»

 

     Emil Dill (1861-1938)     (dt/en)  ISBN 978-3-0340-1275-1, Chronos Verlag, 2015

 

 

 Cuno Amiet schrieb 1924 in einem Brief an Dill: „Du warst mein Lehrmeister in der Aquarellmalerei“ und posthum: “Wir, Giacometti und ich, waren viel mit Dill zusammen […] Er hat in Paris […] das Aquarellmalen gepflegt und konnte es ausnehmend gut. Durch ihn haben wir Beide viel gelernt.“